Öffentlich lesbarer Thread
Wenn die Schuld sich an mir festkuschelt, wo sag ich „Nein“?
Heute Abend war wieder einer dieser Tage, an denen ich das Gefühl habe, dass alles um mich herum nur ein riesiges „Vielleicht“-Spiel ist. Der Kleine hat nach dem Zubettgehen ganz plötzlich gefragt, ob Papa vielleicht doch noch nach Hause kommt, weil er ja „sich besser fühlt“. Ich hab‘ versucht, ihm zu erklären, dass er in einer Therapie ist und das leider nicht so einfach ist, aber meine Stimme hat sich irgendwie hohl angehört. Irgendwie hat mich das wieder zurück ins alte Muster gezogen, das ich seit Monaten versuche zu durchbrechen – das „Ich muss immer alles retten“.
Ich hab in der Gruppe heute über Co‑Abhängigkeit gesprochen und gemerkt, dass ich immer noch so schnell meine eigenen Grenzen überschreite, wenn die Kinder mich anstarre und die Angst nach oben schießt, dass ich ja irgendwann den ganzen Tag nur noch „Papa‐Retterin“ bin. Letztens, kurz bevor ich ins Bett wollte, hat meine 8‑jährige mir das Bild von ihrem Lieblingsmärchen vorgelesen – und plötzlich hab ich mich gefragt, ob ich nicht eher das Märchen von mir selbst erzähle, in dem ich mich immer wieder als Heldin sehe, die alles hält.
Habt ihr schon mal diesen inneren Dialog erlebt, wenn das Schuldgefühl sich an einen kuschelt, obwohl man weiß, dass man nicht alles allein tragen kann? Und wie schafft ihr es, in dem Moment „Nein“ zu sagen, ohne dass das Ganze gleich zusammenbricht? Ich fühl mich echt am Rande, weil ich die Kids nicht im Stich lassen will, aber ich merke, dass ich sonst nur noch leer aussehe. Vielleicht hilft ja das Teilen hier ein bisschen, weil ich das Gefühl habe, dass ich sonst immer nur mit mir selbst rede. ❤️
