Öffentlich lesbarer Thread
Wie finde ich nach 40 Jahren wieder einen Job?
Ich sitz hier an meinem Küchentisch, der Regen trommelt gegen das Fenster und ich frage mich, wie ich nach all den Jahren wieder in die Arbeitswelt einsteigen soll. Seit den späten 70ern war ich Teil der Westberliner Szene, dann kam das Auf und Ab mit Opioiden, und jetzt lebe ich mit Polamidon-Substitution in einer geförderten Wohnung. Seit ein paar Monaten bin ich clean – 133 Tage, wenn man genau sein will, und das fühlt sich manchmal wie ein neuer Anfang an und gleichzeitig wie ein ganzes Stück Geschichte, das man hinter sich lassen muss.
Früher, in den 80ern, war das Hilfesystem ein Labyrinth aus Anlaufstellen, die kaum koordiniert waren. Man musste sich selbst durchklicken, oft ohne Ahnung, wo man überhaupt anfangen sollte. Heute gibt es mehr Low‑Threshold‑Angebote, Jobcoaches, die speziell für Menschen mit Suchtgeschichte ausgebildet sind, und sogar digitale Plattformen, die einem beim Lebenslauf helfen. Und trotzdem bleibt das Gefühl, dass man immer noch ein Stigma trägt, das schwerer wiegt als jede Qualifikation.
Ich hab neulich im Jobcenter einen Kurs für Bewerbungstraining angefangen, aber die Angst, dass mein Lebenslauf wie ein offenes Buch wirkt, hält mich zurück. Wie geht ihr mit diesem Zweifel um? Welche konkreten Schritte haben euch geholfen, den ersten Kontakt zu einem potenziellen Arbeitgeber zu wagen? Und gibt es vielleicht Tipps, wie man das Thema Sucht im Vorstellungsgespräch ansprechen kann, ohne dass es zur einzigen Geschichte wird? Bin gespannt auf eure Erfahrungen, danke schon mal im Voraus ❤️.
