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Warum fühle ich mich, als hätte ich die Schuld an Lillis Alkohol

Also, ich sitze gerade am Küchentisch, die Sonne wirft ein warmes Licht auf die alten Holzbretter, und Lilli kommt mit einer Tasse Kaffee an. Sie wirft die Züge ihrer Zähne an die Wand, wahnsinnig aufgebracht. Sie sagt: „Ich weiß nicht, ob ich das noch weiter durchzuhalten habe.“ Und ich, die 69-jährige Rentnerin aus Lübeck, die die Enkel (12 und 8) großzieht, meine einzige Richtung im Regen, fühle mich wie der Riese, der die Welt um ihn herum zerdrückt. Ich frage mich ständig, ob ich etwas falsch gemacht habe, wenn Lilli so viel trinken muss. Ich schiebe die Schuld zurück, weil ich nicht das Glück habe, selbst ein „Clean“-Datum zu haben. Doch warum fühle ich mich still so belastet? Warum es mir nicht um meine eigenen Schwächen geht, sondern um ihre Korrekturen? Ich will sie schützen, aber ich meine mich selbst nur für ihre Fehler verantwortlich zu fühlen. Letzte Woche habe ich versucht, ihr ein kleines Muster aus Klinker zu zeigen, das ihr vorgemacht hat, wenn das Haus nach dem Regen schmutzig wird. Sie hat es nur dabei gehabt, dass sie plötzlich entschlossen ist, zu kämpfen, weil sie sehe, wie ich jeden Tag ein Stückchen für die Enkel erledige. Jetzt sitze ich hier, frage mich, ob meine Erziehung zu viel oder zu wenig war, und hab das Gefühl, dass meine eigene Unfähigkeit, gegen die Süchte hinzuarbeiten, sie in einen Pfad treibt, den ich nicht sehen will. Hast ihr das auch so? Habt ihr das Gefühl, immer das Leid anderer zu tragen, und dann noch eure eigenen Grenzen und Sorgen für ganz wenig Raum lassen? Ich bin beschwert, aber ich brauche jemanden, der mir sagt, ob das überhaupt normal ist.
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