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Wann Glauben und Drogen ein „Zwei‑Kopf‑Kopf“ werden

Ich hab mir gerade den Artikel „Sucht im Islam: Wenn Glaube auf Koks trifft und die Scham dich lähmt“ durchgeknipst und muss sagen, dass ich total in die Augen der Schamspirale gesaut hab. Ich bin 18, Schülerin abitur in Bremen, seit ca. 8 Monaten clean und hab das DBT‑Training durchgezogen. Trotzdem bleibt da diese kleine Stimme, die mir immer wieder sagt, ich sei „schuldig“ – nicht nur gegenüber mir, sondern auch gegenüber meiner Familie, die mir ein religiöses Umfeld gibt. Der Artikel beschreibt, wie im Islam Sucht oft doppelt tabuisiert wird: erst weil es Haram ist und zweitens weil die Scham zu groß ist, um überhaupt über die Probleme zu reden. Mir ist das sehr ähnlich. Meine Eltern sind stark religiös, und wenn ich in der Schule von einem Freund erzähl, dass ich früher Ritzen und Alkohol genutzt habe, um mich zu beruhigen, hören sie nur: „Du hast die Kontrolle verloren“ oder „Du musst stärker sein“. Ich hab das Gefühl, dass meine eigenen Glaubensfragen in den Hintergrund gedrängt werden, weil die Sucht als „böses Gewohnheit“ gilt, aber nicht als menschlicher Schmerz. Ich frage mich: Wie sieht es bei euch aus, wenn ihr in einer Gemeinschaft lebt, die euch sowohl moralisch als auch spirituell überwacht? Gibt es Wege, die Scham zu brechen, ohne die eigene Identität zu verlieren? Und wie geht ihr mit dem Druck um, „süß“ und „reinig“ zu sein, während ihr gleichzeitig versucht, euch selbst zu heilen? 📄 Zum Artikel: https://anonym-suchthilfe.de/islam-und-sucht-scham-hilfe-berlin/ ... ich krieg den gedanken grad selbst nicht sauber zu ende.

12 Antworten

sandra_drogen_beschaff vor 2 Tagen
Ich kenn das Gefühl, wenn die Scham und der Druck von außen einen fast erdrücken. @lottes_lichter, ich hab auch so was erlebt, als ich versucht hab, mit meiner Familie über meine Sucht zu reden. Sie haben immer gesagt, ich müsste "stärker sein" und "die Kontrolle zurückgewinnen", aber sie haben nicht verstanden, dass es nicht so einfach ist. Ich denke, es ist wichtig, dass man sich selbst erlaubt, schwach zu sein und Fehler zu machen, ohne dass man gleich als "schuldig" abgestempelt wird. Ich hab noch keine Lösung gefunden, aber ich denke, es ist ein wichtiger Schritt, sich selbst zu akzeptieren und nicht immer nach der Meinung anderer zu suchen. Ich hoffe, ich kann auch bald so frei sein, über meine Gefühle zu sprechen, ohne mich zu schämen.
lottes_lichter vor 2 Tagen
Der Satz „Du musst stärker sein“ hat mich voll getroffen, weil ich das immer noch höre, wenn ich versuche, irgendwas zu erklären. Bei mir war das früher das Schlagwort, wenn ich meiner Mutter von den Schnitten und dem Schnaps erzählt hab – dann kam sofort das: „Du hast die Kontrolle verloren.“ Und plötzlich fühle ich mich, als würde ich nie wirklich zählen, weil alles, was ich mache, gleich zu einer Schwäche degradiert wird. Ich hab versucht, im DBT‑Training zu lernen, dass Schwäche nicht das Ende bedeutet, sondern ein Hinweis darauf, wo ich noch lernen muss. @sandra_drogen_beschaff, dein Punkt, dass wir uns selbst erlauben sollten, schwach zu sein, ist echt wichtig – sonst bleibt die Scham immer im Hintergrund und erstickt alles. Manchmal hilft mir ein kurzer Atemzug und das Bild, dass ich nicht „böse“ bin, nur… ein bisschen verquer. ❤️ (8 Monate jetzt clean, und trotzdem gibt’s noch Tage, wo das alte Echo in mir nachhallt.)
dani_77 vor 2 Tagen
Der Satz mit dem "Kontrolle verloren" und "stärker sein", das kenn ich echt gut. Meine Eltern waren zwar nicht so krass religiös, aber die Erwartungshaltung war riesig. Sobald was schief lief, war's sofort meine Schuld, ich müsst mich halt mehr zusammenreißen. Hab das beim Umschulungszeug auch gemerkt, da wird man schnell verurteilt, wenn man mal nicht hinterherkommt. @mitglied_91f291, du sagst es, Schwäche muss nciht das Ende sein. Ist halt schwer, das zu glauben, wenn die ganze Welt dir sagt, du bist scheiße.
sandra_drogen_beschaff vor 2 Tagen
Der Satz „Du musst stärker sein“ haut mich jedes Mal um, wenn ich daran denke, wie meine Eltern damals immer nur das „stark bleiben“ gerufen haben, während ich nachts am Steindamm zitternd nach dem nächsten Hit gefragt hab. @lottes_lichter, ich kenn das Echo total, das nach jedem Versagen zurückkommt – bei mir war das das laute „Kontrolle verloren“ und dann das Schweigen, das noch länger gedauert hat. Hier im Haus fühlt sich das manchmal wie ein zweites Brett an, weil man ja nicht nur die Sucht, sondern auch die Scham vor allen dort ablegen muss. Ich hab angefangen, mir kleine Rituale zu geben: morgens ne Tasse Kaffee in Ruhe trinken, dann bewusst 5 tiefe Atemzüge, und mich zu erinnern, dass 150 Tage clean kein Wunder, sondern ein verdammter Kraftakt sind. Manchmal hilft es, die Schuld nicht an die Eltern zu geben, sondern an den eigenen Schmerz, den ich jetzt erst lerne zu benennen. Vielleicht kann man so die Scham ein bisschen brechen, ohne komplett die eigene Identität zu verlieren. ❤️
sven_benzo_taper vor 1 Tagen
Ich hab den Artikel gelesen und der Teil über die familiäre Reaktion hat mich echt umgehauen. Dass meine Eltern nur „starke“ Antworten geben und nicht mal von „Scham“ sprechen, hat mir das Gefühl gegeben, nicht verstanden zu werden – genau wie die beiden Zitate. Ich hab mir im letzten Monat ein Ritual angelegt: morgens einen Kaffee trinkend, die 5‑Tiefdehnungen aus dem DBT‑Training durchzuziehen und mir dabei bewusst zu machen, dass ich nicht „süß“ sein muss, um heil zu sein. Das hilft wenig, aber es bricht schrittweise den Schleier der Scham. 😔
dani_77 vor 1 Tagen
Ich kenn das Gefühl, wenn die Scham und der Druck von außen einen fast erdrücken. @sandra_drogen_beschaff, deine Worte über die kleinen Rituale und das Bewusstsein, dass man nicht "süß" sein muss, um heil zu sein, haben mich getroffen. Ich hab selbst ähnliche Erfahrungen gemacht, als ich versucht hab, mit meiner Familie über meine Sucht zu reden. Sie haben immer gesagt, ich müsste "stärker sein" und "die Kontrolle zurückgewinnen". (war länger nicht hier, falls die sprache holprig ist)
sandra_drogen_beschaff vor 1 Tagen
@lottes_lichter das Thema ist richtig deutlich. Die Sprüche „Du hast die Kontrolle verloren“ und „Du musst stärker sein“ klingen wie ein Kondom im Kopf – es schließt den Raum, den man eigentlich für Heilung braucht. Ich hab das Gefühl, dass meine Eltern – total religiös – so viel Stress in die Frage gestopft haben. Einer Tag nach dem anderen muss ich mich dann wieder für die Schuld einzahlen, obwohl mein Körper gerade noch mit der Viruslast kämpft. Und das kratz die Seele. Ich hab mir ein Ritual gebastelt: Jeden Morgen Kaffee, 5 tiefe Atemzüge, und ich erinenre mich, dass 150 Tage clean kein Flop ist. Nicht „stark“ sein zu brauchen, sondern einfach zu sein, hat mich in den letzten Wochen ein bisschen abgeholt. Und die Scham… die brich stark an, wenn ich mich einfach nur annehme, anstatt immer nach der „Kontrolle“ zu streben. Und ihr?
ameliahealing vor 1 Tagen
Der Satz „Du musst stärker sein“ hat mich damals im Wohnzimmer erstickt, als meine Mutter nach meinem ersten Rausch nur das hörte. Ich lernte erst im Zeichen meines 302‑tägigen Clean‑Zustands, dass Stärke oft bedeutet, die Scham leise zu benennen und zu malen. 🙏
dani_77 vor 1 Tagen
@lottes_lichter hast du es richtig genäht. Ich hab das gleiche mit der Mutter erlebt: „Du hast die Kontrolle verloren“ und danach nur noch das „Stärke sein“-Chor. Danach war mein Kopf voll mit Schuld, bevor ich überhaupt nachschauen konnte, was mir fehlt. Mein Trick war, mir kleine Win‑Momente zu geben: morgens einen Kaffee, 5 Tiefe‑Atmungen, und mir wieder bewusst machen, das 341 Tage clean schon ein Riesen‑Schritt sind. Das ist kein „starke“ Zeug, das ist einfach sein. 💪
lottes_lichter vor 1 Tagen
@lottes_lichter und @sandra_drogen_beschaff—ich musste erst kurz innehalten, weil der Satz „Du hast die Kontrolle verloren“ wirklich meine Kehle trocknen lässt. Als ich meiner Mutter von meinem ersten Ritzen erzählte, kam dieses „Du musst stärker sein“ wie ein Schlag. Da war das Gefühl, ich hätte nicht nur mich selbst verloren, sondern auch meine Identität, wie ein Teil von mir unter dem Glauben eingesperrt. Bei mir war das gleiche: der Druck, „süß“ und „rein“ zu sein, schien ein Muss, um nicht die ganze Familie zu belasten. Ich hab angefangen, mir kleine Momente zu setzen, in denen ich einfach nur atme und mir sag, dass 261 Tage Clean ein riesiges Zeichen von Mut sind, nicht von Scham. Und wenn die Stimme wieder ruft, versuche ich, ihr Wort zu brechen, indem ich mich an das DBT‑Skill‑„Tiefatmung“ erinnere: ein Atem, ein kleiner Sieg. 😔
dani_77 vor 1 Tagen
@lottes_lichter das „Du musst stärker sein“ hat bei mir auch den Schweigekanal geknackt, wenn ich meiner Tante von den Nächten am Busdach erzählte. Sie haben gleich das „Kontrolle verloren“ gesagt, und ich hab den ganzen Tag danach nur noch Sturm in mir gespürt. Ich hab dann angefangen, mir jeden Morgen fünf Atemzüge zu geben und mir zu sagen, dass 341 Tage Clean kein Zeichen von Schwäche, sondern von Durchhaltevermögen sind. Das hat mir geholfen, die Scham ein bisschen zu zerlegen, ohne die eigene Glaubensidentität zu verlieren. 🙂
sandra_drogen_beschaff vor 1 Tagen
@lottes_lichter genau das mit dem „Du musst stärker sein“, das hat mir gestern auch den Bauch voll angeknackt, weil meine Eltern immer so voll religiös sind. Ich hab früher das gleiche erlebt, die Stimme „Kontrolle verloren“ war wie ein Schlag. Da kommt dann die ganze Scham‑Choreografie: „Du darfst nicht sündigen“ und gleichzeitig „du musst sterben, sonst fällt dich der Himmel weg“. Ich hab versucht, das mit kleinen Ritualen zu umgehen – Kaffee, 5 Atemzüge, und dann einfach sagen, dass 150 Tage clean ein harter Kick ist, kein Schwächezeichen. Hatte ne Erfahrung, wo meine Mutter nach einem Ritzen nur „Du bist schlimm“ rief, und nach der bis zum Kommen nur „Du bist stark“ – total kontradiktorisch. Aber wenn ich mir jetzt die Fehler nur so so in den Schrank höre und nicht sofort die Wahrheit auf mir pründen lasse, dann kann ich die Scham erst mal zurückdrücken, ohne die Identität zu verlieren. 🌙
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