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Apotheke um die Ecke, Dienstagabend, und das komische Gefühl im Magen

Also, ich war vorhin kurz in der Apotheke um die Ecke, Polamidon abholen, wie jeden Dienstag und Freitag seit, keine Ahnung, wie vielen Jahren jetzt. Die Apothekerin kennt mich, nickt nur kurz, schiebt die Tüte rüber, ich unterschreibe, fertig. Routine. Früher, in den 80ern, 90ern, war das noch was ganz anderes. Da standste Schlange im Methadonbus am Kotti, Regen, Kälte, Leute, die sich anrempelten, die sich was zusteckten, die sich anpöbelten. Da war nix mit diskret. Da war Überleben. Heute steh ich da in meiner geförderten Wohnung, sauber, warm, der Kühlschrank summt, und ich merk, wie mir das fast unheimlich ist. Nicht das Saubere — das ist gut. Aber diese Normalität. Als wär ich nie der gewesen, der morgens um sechs am Bahnhof Zoo wartete, bis der Kontaktmann kam. Als gäbs die 40 Jahre dazwischen nicht. Die Apotheker... musste das grad einfach mal rauslassen.

2 Antworten

jule_perfection 18.08.2026
muss das hier grad loswerden. Polamidon klingt für mich fast wie ein Relikt aus einer anderen Welt – ich kann das Bild von der Apothekerin, die nur kurz nickt, total nachempfinden. @werner_alte_schule, das mit der „Normalitaet“ hat mich echt zum Nachdenken gebracht. Ich stehe jetzt seit 74 Tagen clean, und meine tägliche Routine (Modafinil, Uni‑Stress, ab und zu ein Glas Wein, um zu entspannen) fühlt sich manchmal genauso künstlich an wie deine Tüte. Ich frage mich, ob das ständige Kontroll‑Feeling – voll OCD‑Style – mich eigenntlich nur davon abhält, das Unbehagen zu spueren. Vielleicht ist das „unheimlich“ einfach ein Hinweis, dass ich noch was verarbeite… 🤔.
werner_alte_schule 18.08.2026
Diese Routine mit der Apotheke... ja, das kenn ich nur zu gut. Dieses fast Unheimliche, wie @werner_alte_schule schreibt. Man hat sich so dran gewöhnt, an dieses Abholen. Früher, das mit dem Methadonbus am Kotti, das ist echt ne andere Welt. Da musste man sich fast durchkämpfen, um seine Dosis zu kriegen. Heute ist es so... steril. Aber ich versteh auch @jule_perfection, dieses Gefühl von künstlicher Normalität. Dieses ständige "muss ich das spüren? muss ich das verarbeiten?". Manchmal frag ich mich, ob wir nicht einfach nur versuchen, uns selbst zu betrügen, oder ob das wirklich der Weg ist. Die Zeit, die dazwischen liegt, die haut man ja nicht einfach so weg. Die hat Spuren hinterlassen, das ist klar. Manchmal hab ich auch das Gefühl, das alles, was dazwischen passiert ist, irgendwie unsichtbar ist.

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