Ich dachte, ich sei auf einem guten Weg: Sport, Ernährung, kein Rauchen, Disziplin, Kontrolle. Nach außen sah es aus wie Veränderung. Doch innerlich hatte ich noch nicht gelernt, mit Schmerz, Ohnmacht, Trauer und Einsamkeit anders umzugehen. Als diese neue Stabilität durch Krankheit wegbrach und gleichzeitig der Kontaktabbruch zu meinem Sohn, die gescheiterte Nähe zu meiner Mutter und meine Depression wieder zusammenkamen, entstand ein Punkt, an dem ich nicht mehr leben wollte wie bisher. So kam Heroin in mein Leben — nicht aus Neugier, sondern als scheinbare Antwort auf unerträgliches Fühlen. Nicht Spaß, nicht Freiheit, nicht Abenteuer. Sondern Ruhe.
Ich erzähle vom Bremer Platz in Münster und von dem Moment, in dem ich plötzlich nicht mehr von außen auf „die Junkies" geschaut habe, sondern selbst einer von ihnen war. Von Szenen, die mir gezeigt haben, wohin dieser Weg führen kann. Von Menschen, deren Grenzen durch Sucht, Not und Beschaffung völlig verschoben waren. Und von „Leiche", den ich aus meiner ersten Entgiftung kannte und dessen Verfall mich später tief erschüttert hat.
Es geht auch um den Weg zum Hausarzt, den schnellen Einstieg ins Methadon-Programm und die Tragik, dass ich damals gar nicht verstanden habe, was Substitution langfristig bedeuten kann. Methadon hat mich vom direkten Heroin-Beschaffungsdruck entfernt — frei gemacht hat es mich nicht. Alkohol, Cannabis, Partydrogen, emotionale Taubheit, Depression und alte Muster liefen weiter. Ich war legal ruhiggestellt, aber nicht zurück im Leben.
Am Ende steht der nächste scheinbare Neuanfang: Köln. Eine neue Stadt, eine neue Chance, ein neuer Ort — und doch nehme ich mich selbst mit. Diese Folge ist keine Verherrlichung und keine Anleitung, sondern Aufarbeitung: für Betroffene, die verstehen wollen, warum gefährliche Substanzen in tiefster Verzweiflung manchmal nicht wie Gefahr wirken, sondern wie Rettung — und für Angehörige, die begreifen möchten, warum Opiate oft nicht aus Neugier oder Spaß beginnen, sondern aus Ohnmacht, Depression, Trauma und dem Wunsch, nicht mehr fühlen zu müssen. Und für alle, die verstehen wollen, warum Substitution helfen kann, ohne Begleitung, Ehrlichkeit und innere Arbeit aber nicht automatisch Freiheit bedeutet.