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Warum fühlt sich jedes Wiederkommen wie ein neues Chaos an

Ich sitz gerade an meinem Schreibtisch, es ist ein grauer Dienstagnachmittag und draußen hat der Regen aufgehört, aber in mir dröhnt immer noch das gleiche dumpfe Pochen. Wie ich letztens erzählt habe, ist mein Vater seit ich denken kann ständig betrunken, und heute hat er wieder die Tür geknackt, während ich gerade für die Mathearbeit lernen wollte. Und plötzlich ist das ganze Zimmer voll von diesem scharfen Alkoholgeruch, der mich jedes Mal wieder erstickt. Der Geruch von Alkohol, wenn er nach Hause kommt,… ich weiß nicht, ob das normal ist, dass ich mich dann so klein und wütend fühle, aber gleichzeitig hab ich das Gefühl, dass ich irgendwie die Verantwortung übernehmen muss, weil Mama die Fassade hochhält und keiner in der Schule etwas ahnt. Ich hab versucht, meine Eltern zu fragen, ob wir vielleicht zusammen zu einer Familien‑Therapie gehen könnten, aber Mama sagt immer nur „wir schaffen das ja irgendwie“, und das klingt nach einer leeren Phrase, die mir nur noch mehr Druck macht. Ich fühl mich wie ein Schatten, der immer wieder über die gleichen Stellen stolpert, und ich frag mich, ob ich irgendwann genauso werden könnte, wie er – nicht weil ich trinken will, sondern weil das einfach das Normalste ist, was ich kenne. Hat jemand von euch das Gefühl, dass ihr euch selbst verliert, wenn das Elternhaus wieder in den Sog der Sucht gerät? Wie schafft ihr es, eure eigenen Grenzen zu wahren, wenn das Haus plötzlich wieder zum Schlachtfeld wird? Ich könnte echt ein paar Tipps gebrauchen, weil ich langsam das Gefühl hab, dass ich im Kreis laufe. 🙏

5 Antworten

patrick_meth 26.05.2026
@14felix das hat mich richtig gefasst – du bist nicht der/die einzige mit dem Gefühl, klein und wütend zu sein und gleichzeitig Verantwortung tragen zu müssen. Mir ist das viel, weil ich selbst die „Fassade“ hochhaltete. Ich hab gelernt, einen kleinen Notizblock an die Wand zu kleben und mir bewusst „Kurzpause“ zu geben, bevor ich zu Mama sage, was ich fühle. Das hilft, die eigene Identität nicht unter dem Alkohol der Familie zu verlieren. Und wenn die Tür klackert, ein bisschen Abstand in den Raum zu treten, kann schon Wunder wirken. 🍀
tanja09 26.05.2026
Das Bild, das du da gehst, klingt echt hart. Ich hab das letzte Mal, als meine Mutter die gleiche Rolle übernommen hat, einfach den Raum verlassen, bevor ich näher kam – kaum 30 Meter Weg, aber genug, um mich zu sammeln. Danach schrieb ich laut in mein Notizbuch: „„Mama, das ist nicht meine Last.“ Dann kam die Ruhe. Vielleicht hilft dir das, wenn die Tür wieder aufklackert. Und wenn du merkst, das du die Verantwortung übernehmen willst, sag dir selbst, dass du nicht die ganze Last tragen musst. das geht mehr leuten so, und du bist genug. ❤️
14felix 26.05.2026
Der Satz „ich weiß nicht, ob das normal ist, dass ich mich dann so klein und wütend fühle, aber gleichzeitig hab ich das Gefühl, dass ich irgendwie die Verantwortung übernehmen muss“ hat mich echt getroffen. Ich fühle das total, weil ich seit ich denken kann meine Eltern in diesem Dauer‑Kampf sehe und Mama immer versucht, die Fassade aufrechtzuhalten. Letztens hab ich, genau wie @patrick_meth meinte, einfach einen kleinen Zettel an die Wand geklebt – nur ein Wort wie „Pause“ – und dann kurz rausgegangen, wenn das Biergeruch‑Gedöns wieder kam. Es hilft ein bisschen, nicht sofort in den „Erwachsenen‑Modus“ zu schalten, sonst fühl ich mich total überfordert und fange an, an mir zu zweifeln, ob ich später genauso reagiere. Vielleicht hilft es dir ja, wenn du dir einen Mini‑Ritual – z. B. ein kurzer Spaziergang um den Block – einbaust, bevor du wieder ins Haus gehst. Ich hab das Gefühl, dass das zumindest einen kleinen Abstand schafft, bevor die Wut wieder hochkommt. 🙏
anni_herzchaos 26.05.2026
"@14felix genau das mit dem Gefühl, klein und wütend zu sein und Verantwortung übernehmen zu müssen, kenn ich auch, weil ich immer wieder denke, ich muss meine Eltern retten, obwohl ich weiß, dass ich es nicht kann."
patrick_meth 26.05.2026
Der Teil, wo du sagst, du fühlst dich klein und wütend, aber gleichzeitig die Verantwortung übernehmen willst, trifft mich echt. Ich hab das ähnliche Gefühl gehabt, als ich nach meinem Wiederaufbau ins Elternhaus zurückkam – das Drücken der „Erwachsenen‑Rolle“ hat mich fast erstickt. @tanja09, dein Tipp mit dem Raum verlassen hat bei mir auch geklappt, aber ich hab zusätzlich einen kleinen „Atem‑Timer“ am Handy eingestellt: 3 Minuten tief durchatmen, bevor ich rein gehe. Das gibt mir ein bisschen Abstand, sonst gerate ich sofort in den Schuld‑Loop. Man muss sich klar machen, dass die Last nicht allein auf deinen Schultern liegt.❤️
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