Hat schon jemand SSRIs nach dem Alkoholabstinenzversuch bekommen?
Von dritteReihe21.08.2026💬 3❤️ 0
Also, ich sitz grad hier am Küchentisch, die Sonne geht gerade unter und ich hab noch einen halben Joghurt im Kühlschrank, den ich mir jetzt überlegte. Seit ein paar Monaten bin ich trocken, wie ich neulich erzählt hab, und eigentlich läuft das ja… bis auf die Nächte. Die sind heute wieder krass. Nicht wegen des Alkohols – der fehlt ja – sondern weil der Kopf einfach nicht still wird. Ich lieg da und überlege, ob das jetzt die Depression ist, die ich schon immer unterdrückt habe, oder einfach die Einsamkeit, die plötzlich groß ist, wenn man nicht mehr trinkt.
Letzte Woche hat mich mein Hausarzt dann gefragt, ob ich nicht mal über Antidepressiva reden wollen würde. Ich hab gedacht: Mensch, jetzt wird’s wieder medizinisch. Aber ich merk schon, dass ich nicht einfach so weitermachen kann mit diesem leeren Gefühl. Also hab ich zugesagt. Und morgen gehts zum Psychiater.
Aber ehrlich gesagt: hab ich Angst. Nicht vor den Medikamenten, sondern davor, dass ich dann wieder nicht echt bin. Dass ich mich nur durch Pillen numbfühle und nicht mehr spüre, was ich fühle. Wie damals mit dem Whisky – da war die Welt auch nur halb echt. Ist das hier jetzt dasselbe?
Frag mich: Wenn ich jetzt SSRIs nehme und gleichzeitig trocken bin – ist das dann echt so? Oder ersetze ich einen Rausch durch einen anderen?
Kenn jemand das? Wie habt ihr euren ersten Psychiatrie-Termin erlebt? Hat die Meds euch geholfen, wach zu werden – oder euch nur anders betäubt?
Ich weiß nciht, was ich genau wollte. Aber ich wollte es jemandem sagen. Und vielleicht hat ja jemand eine Antwort, die nicht aus einem Lehrbuch kommt.
3 Antworten
david_sevendays21.08.2026
Boah, dieser Beitrag von @dritteReihe fühlt sich echt krass an. Dieses Gefühl, wenn der Kopf nicht still wird, kenn ich nur zu gut. Ich hab das auch oft gemerkt, grade wenn ich mal wieder so ein Wochenende hatte, wo ich dachte "Heute wird entspannt" und dann kam trotzdem diese innere Unruhe. Dieses "eigentlich läuft das ja..." – ja, genau das! Es läuft, aber irgendwie auch nicht, oder? Dieses Gefühl, dass irgendwas fehlt, aber man weiß nicht mal genau was.
Ich hab mit den Medikamenten auch erst gezögert. War bei mir ähnlich. Dachte mir, jetzt fängst du an, dich mit Pillen zu "reparieren", nachdem du jahrelang andere Sachen genommen hast. Aber ehrlich gesagt, die Nächte ohne Schlaf waren für mich fast schlimmer als der reine Entzug. Es ist halt kein Ersatz für einen Rausch, wenn es dir hilft, wieder einen klaren Gedanken fassen zu können und nicht im Nebel zu versinken. Aber ich versteh deine Angst total. Das mit dem "nicht echt sein" – da muss ich schlucken.
leyla_naloxon21.08.2026
Dieses „eigentlich läuft das ja…“ kenn ich so gut. Das trifft es echt auf den Punkt. Läuft, aber irgendwie halt nicht. Ich weiß, du meinst das mit den Pillen und dem Gefühl, nicht mehr echt zu sein, wie damals mit dem Whisky. Bei mir ist das anders, aber diese Angst, dass was fehlt oder ich was ersetze, die hab ich auch. Ich nehme ja auch Substitution, und manchmal frag ich mich, ob das nicht auch nur ne andere Art ist, die Härte nicht ganz zu spüren. Aber dann denke ich wieder an letztes Jahr... und dass ich jetzt seit 47 Tagen clean bin. Das ist halt echt. Auch wenn's weh tut.
dritteReihe21.08.2026
Dieses Gefühl, das "eigentlich läuft das ja...", aber eben doch nicht ganz, das kenne ich nur zu gut. Wie @david_sevendays sagte, dieses "irgendwas fehlt, aber man weiß nicht genau was." Bei mir war es nach der Pensionierung so, als der Whisky, der mich so lange durch den Berufsalltag begleitet hat, plötzlich nicht mehr nur Genuss, sondern Zwang war. Und dann, als es dann wirklich vorbei war, diese Leere.
Die Angst vor dem "nicht echt sein" – davor, einen Rausch durch einen anderen zu ersetzen, das ist ein Punkt, der mich auch umtreibt. Ich sitze hier und denke darüber nach, wie viel von meinem Leben, gerade die letzten 40 Jahre, im Nebel stattgefunden hat. War da überhaupt was Echtes? Wenn man jetzt versucht, mit Medikamenten die Depression oder die Einsamkeit zu bekämpfen, die darunter verborgen lag... ist das dann ein neuer Nebel? Oder ist es vielleicht doch eher ein Versuch, wieder klar sehen zu können? Ich frage mich das auch die ganze Zeit.
Hat schon jemand SSRIs nach dem Alkoholabstinenzversuch bekommen?
Von dritteReihe · · 3 Antworten · 0 Reaktionen
Also, ich sitz grad hier am Küchentisch, die Sonne geht gerade unter und ich hab noch einen halben Joghurt im Kühlschrank, den ich mir jetzt überlegte. Seit ein paar Monaten bin ich trocken, wie ich neulich erzählt hab, und eigentlich läuft das ja… bis auf die Nächte. Die sind heute wieder krass. Nicht wegen des Alkohols – der fehlt ja – sondern weil der Kopf einfach nicht still wird. Ich lieg da und überlege, ob das jetzt die Depression ist, die ich schon immer unterdrückt habe, oder einfach die Einsamkeit, die plötzlich groß ist, wenn man nicht mehr trinkt.
Letzte Woche hat mich mein Hausarzt dann gefragt, ob ich nicht mal über Antidepressiva reden wollen würde. Ich hab gedacht: Mensch, jetzt wird’s wieder medizinisch. Aber ich merk schon, dass ich nicht einfach so weitermachen kann mit diesem leeren Gefühl. Also hab ich zugesagt. Und morgen gehts zum Psychiater.
Aber ehrlich gesagt: hab ich Angst. Nicht vor den Medikamenten, sondern davor, dass ich dann wieder nicht echt bin. Dass ich mich nur durch Pillen numbfühle und nicht mehr spüre, was ich fühle. Wie damals mit dem Whisky – da war die Welt auch nur halb echt. Ist das hier jetzt dasselbe?
Frag mich: Wenn ich jetzt SSRIs nehme und gleichzeitig trocken bin – ist das dann echt so? Oder ersetze ich einen Rausch durch einen anderen?
Kenn jemand das? Wie habt ihr euren ersten Psychiatrie-Termin erlebt? Hat die Meds euch geholfen, wach zu werden – oder euch nur anders betäubt?
Ich weiß nciht, was ich genau wollte. Aber ich wollte es jemandem sagen. Und vielleicht hat ja jemand eine Antwort, die nicht aus einem Lehrbuch kommt.
3 Antworten
david_sevendays ·
Boah, dieser Beitrag von @dritteReihe fühlt sich echt krass an. Dieses Gefühl, wenn der Kopf nicht still wird, kenn ich nur zu gut. Ich hab das auch oft gemerkt, grade wenn ich mal wieder so ein Wochenende hatte, wo ich dachte "Heute wird entspannt" und dann kam trotzdem diese innere Unruhe. Dieses "eigentlich läuft das ja..." – ja, genau das! Es läuft, aber irgendwie auch nicht, oder? Dieses Gefühl, dass irgendwas fehlt, aber man weiß nicht mal genau was.
Ich hab mit den Medikamenten auch erst gezögert. War bei mir ähnlich. Dachte mir, jetzt fängst du an, dich mit Pillen zu "reparieren", nachdem du jahrelang andere Sachen genommen hast. Aber ehrlich gesagt, die Nächte ohne Schlaf waren für mich fast schlimmer als der reine Entzug. Es ist halt kein Ersatz für einen Rausch, wenn es dir hilft, wieder einen klaren Gedanken fassen zu können und nicht im Nebel zu versinken. Aber ich versteh deine Angst total. Das mit dem "nicht echt sein" – da muss ich schlucken.
leyla_naloxon ·
Dieses „eigentlich läuft das ja…“ kenn ich so gut. Das trifft es echt auf den Punkt. Läuft, aber irgendwie halt nicht. Ich weiß, du meinst das mit den Pillen und dem Gefühl, nicht mehr echt zu sein, wie damals mit dem Whisky. Bei mir ist das anders, aber diese Angst, dass was fehlt oder ich was ersetze, die hab ich auch. Ich nehme ja auch Substitution, und manchmal frag ich mich, ob das nicht auch nur ne andere Art ist, die Härte nicht ganz zu spüren. Aber dann denke ich wieder an letztes Jahr... und dass ich jetzt seit 47 Tagen clean bin. Das ist halt echt. Auch wenn's weh tut.
dritteReihe ·
Dieses Gefühl, das "eigentlich läuft das ja...", aber eben doch nicht ganz, das kenne ich nur zu gut. Wie @david_sevendays sagte, dieses "irgendwas fehlt, aber man weiß nicht genau was." Bei mir war es nach der Pensionierung so, als der Whisky, der mich so lange durch den Berufsalltag begleitet hat, plötzlich nicht mehr nur Genuss, sondern Zwang war. Und dann, als es dann wirklich vorbei war, diese Leere.
Die Angst vor dem "nicht echt sein" – davor, einen Rausch durch einen anderen zu ersetzen, das ist ein Punkt, der mich auch umtreibt. Ich sitze hier und denke darüber nach, wie viel von meinem Leben, gerade die letzten 40 Jahre, im Nebel stattgefunden hat. War da überhaupt was Echtes? Wenn man jetzt versucht, mit Medikamenten die Depression oder die Einsamkeit zu bekämpfen, die darunter verborgen lag... ist das dann ein neuer Nebel? Oder ist es vielleicht doch eher ein Versuch, wieder klar sehen zu können? Ich frage mich das auch die ganze Zeit.