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Öffentlich lesbarer Thread
Mein Vater schaut, wie ich mich verkrieche – und bleibt still
Von tom_haftentvor 1 Std.💬 0❤️ 1
(lese mich noch durch den thread, aber direkt mal was dazu)
Gestern saß mein Papa in seinem alten Sessel, eine Tasse Kaffee auf dem Teller, Nerven zerfetzt. Er hat meine letzte Haftstrafe zum dritten Mal erzählt – "Sie wissen doch, wie mein Vater damals saß, als ich das erste Mal ins Gefängnis ging. Jetzt ist er wieder ganz heiser." Die Wahrheit? Er schaut jeden Tag zu, wie ich mich verkrieche. In der Übergangswohnung, in der ich gerade bin, gibt’s keine Zelle, aber auch keine Freiheit. Ich höre die Schüsseln klirren, die Tür zum Flur geht ein und aus, und ich sehe, wie er jeden Morgen hereinkommt – nur um zu sitzen, zu rauchen, um mich zu vermeiden. Ich meine, er will mich nicht quälen. Aber durch diese stumme Haltung, diese ewige Distanz – die quält mich mehr als jede Peinigung. Gestern hab ich meinen Kaffee ausgeschüttet, während er saß. Er hat mich nur angesehen, dann hat er sich entschuldigt. Entschuldigt, weil ich sein Kind nicht bin? Dass ich nicht die Person war, die er sich vorgestellt hat? Mich frage ich, ob er sonst noch hier wäre, wenn er könnte. Oder ob er nicht lieber weggeht, weil die Erinnerung an mich ihn so sehr zerschmettert. Ich schaue auf meine Hände – die ich heute 21 Tage sauber gehalten habe, also seit den letzten 6 Wochen. Mein Vater hat es nie gewagt, länger als zwei Wochen zu bleiben. Vielleicht ist er stolz auf mich? Oder vielleicht hasst er mich nur dafür, dass ich nicht mehr bilegen wie früher. Und wenn er mich ja so hasst, warum bleibt er dann? Wie kann man jemanden hassen, aber trotzdem jeden Tag zu Hause wohnen? Das ist die Frage, mit der ich mich heute auseinandersetze. Und ich habe keine Ahnung, wie ich es ihm sagen soll, ohne dass er sich abwendet. Oder – ist es sogar besser, dass er nicht weiß, wie sehr es mich verletzt, jeden Tag an dieser Stelle zu sitzen, mit ihm und dieser Stille zwischen uns?
Mein Vater schaut, wie ich mich verkrieche – und bleibt still
Von tom_haftent · · 0 Antworten · 1 Reaktionen
(lese mich noch durch den thread, aber direkt mal was dazu)
Gestern saß mein Papa in seinem alten Sessel, eine Tasse Kaffee auf dem Teller, Nerven zerfetzt. Er hat meine letzte Haftstrafe zum dritten Mal erzählt – "Sie wissen doch, wie mein Vater damals saß, als ich das erste Mal ins Gefängnis ging. Jetzt ist er wieder ganz heiser." Die Wahrheit? Er schaut jeden Tag zu, wie ich mich verkrieche. In der Übergangswohnung, in der ich gerade bin, gibt’s keine Zelle, aber auch keine Freiheit. Ich höre die Schüsseln klirren, die Tür zum Flur geht ein und aus, und ich sehe, wie er jeden Morgen hereinkommt – nur um zu sitzen, zu rauchen, um mich zu vermeiden. Ich meine, er will mich nicht quälen. Aber durch diese stumme Haltung, diese ewige Distanz – die quält mich mehr als jede Peinigung. Gestern hab ich meinen Kaffee ausgeschüttet, während er saß. Er hat mich nur angesehen, dann hat er sich entschuldigt. Entschuldigt, weil ich sein Kind nicht bin? Dass ich nicht die Person war, die er sich vorgestellt hat? Mich frage ich, ob er sonst noch hier wäre, wenn er könnte. Oder ob er nicht lieber weggeht, weil die Erinnerung an mich ihn so sehr zerschmettert. Ich schaue auf meine Hände – die ich heute 21 Tage sauber gehalten habe, also seit den letzten 6 Wochen. Mein Vater hat es nie gewagt, länger als zwei Wochen zu bleiben. Vielleicht ist er stolz auf mich? Oder vielleicht hasst er mich nur dafür, dass ich nicht mehr bilegen wie früher. Und wenn er mich ja so hasst, warum bleibt er dann? Wie kann man jemanden hassen, aber trotzdem jeden Tag zu Hause wohnen? Das ist die Frage, mit der ich mich heute auseinandersetze. Und ich habe keine Ahnung, wie ich es ihm sagen soll, ohne dass er sich abwendet. Oder – ist es sogar besser, dass er nicht weiß, wie sehr es mich verletzt, jeden Tag an dieser Stelle zu sitzen, mit ihm und dieser Stille zwischen uns?