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Öffentlich lesbarer Thread

** Warum ich jeden Tag wieder frage: „Ist das wirklich ich?“

** Gestern morgen saß ich auf dem Balkon, der Wind strich mir durch die Haare und draußen glitzerte der Kaffee in erster Morgensonne. Ich trank, atmete tief ein und fragte mich: Ist das wirklich ich? Nicht „Ich, die besessen ist“ oder „Ich, die versucht, nüchtern zu bleiben“, sondern: Ist das überhaupt meine Seele, die hier atmet? Weil seit 9 Monaten fühlt sich das ganze Ding irgendwie wie ein fremdes Schiff an, das ich nur noch im Pilotensitz verstummte. Manchmal frage ich mich, ob das Abstinenz-Training nicht nur meinen Körper heilt, sondern auch eine Identität zerstört, die ich nicht mehr erkannt habe. Als ich jünger war, habe ich mich oft gefragt, wer ich bin, wenn ich nicht „die Suchtkranke“ bin. Jetzt, in der Genesung, fühlt sich diese Frage nach wie vor wie ein Loch an, in das ich mich hineinfallen könnte. Aber auch wie ein Schlüssel. Letzte Woche schrieb ich mir auf ein Blatt Papier: „Ich bin nicht meine Vergangenheit. Ich bin nicht meine Zerrüttung.“ Es klang albern, als ich es laut vorlas. Aber irgendwie… fühlte es sich wahr an. Als würden die Worte für mich nickend bestätigen, das es noch mehr Raum gibt. Frage: Wie viele von euch haben sich auch schon gefragt, ob ihr überhaupt noch „ihr selbst“ seid, nachdem ihr euren Kampf gegen die Sucht erstmalig gewonnen habt? Oder habt ihr schon Momente gefunden, in denen ihr euch wieder vollständig in euch selbstgroundet fühlt – ohne Substanz, ohne Flucht, ohne Scham? Manchmal glaube ich, dass die Genesung nicht nur darin besteht, „nein“ zu sagen – sondern auch darin, wieder „ja“ zu sagen zu dem, wer man wirklich ist. Aber wie?
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