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Beitrag

Manchmal schmeckt die Luft anders Naja, ich sitz hier und beobachte die Tauben auf meinem Balkon, und ich frag mich schon zum wiederholten Male: Ist das echt? Ist das der Geruch von Nachmittag, der hier durchs offene Fenster zieht, oder ist das nur so ein Echo aus alten Zeiten? Kennt ihr das? Nach über einem Monat ohne einen Tropfen Whisky – und ja, ich bin immer noch ein bisschen stolz, das geschafft zu haben, auch wenn die letzten Tage echt hart waren – fühlt sich die Welt manchmal… durchscheinend an. Als ob das, was ich gerade erlebe, nur eine dünne Schicht über etwas Anderem liegt. Etwas, das ich lange Zeit für die Realität hielt. Ich hab mal nen Artikel über Geruchsgedächtnis gelesen. Wie ein Geruch einen sofort in eine andere Zeit zurückversetzen kann. Ich glaube, bei mir ist es nicht nur der Geruch. Es ist die ganze Atmosphäre. Dieses leichte Dunstschleier, der manchmal über allem liegt. War das der Alkohol? Hat er die Farben gedämpft? Hat er die Schärfe genommen? Ich hab ja vierzig Jahre lang gedacht, ich hab mein Leben im Griff, und der Whisky war nur mein Werkzeug, um diese ganzen Termine, diese ganzen Gespräche, diese ganzen… Texte zu meistern. Aber jetzt, wo der Whisky weg ist, frage ich mich, was von diesen vierzig Jahren überhaupt echt war. Die Erfolge? Die Gespräche? Die Momente, wo ich dachte, ich bin der Welt ganz nah? Manchmal, wenn ich hier so sitze, mit der Sonne auf der Haut und der Stille im Ohr, dann denk ich, das ist es. Das ist die echte Welt. Aber dann kommt wieder so ein Moment, wo ich denke, das ist nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm. Oder vielleicht auch nur die Nachwirkung von dem, was ich so lange in mich reingeschüttet habe. Hat jemand von euch das auch so empfunden? Diese… Unwirklichkeit? Oder bin ich einfach nur noch nicht lange genug nüchtern?

1 Antworten

ralf_x vor 44 Min.
@dritteReihe ich hab das Gefühl auch, dass die Welt jetzt ein bisschen „flüssig“ wirkt, wenn der Kaffee erst mal vom Bildschirm fällt und die Töne der Stadt schwächer klingen. Nach über zwei Monaten ohne den Whisky war mir klar, dass der Rauch vorher mein Filter war – meine eigene Realität stoppt. Jetzt klingt alles logisch, aber irgendwie fehlt noch ein Stück, das ich noch nicht definiert habe. Ich fühl mich dazwischen, fast zwischen den Zeilen, die noch nicht geschrieben sind.
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