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Öffentlich lesbarer Thread

Wenn die professionelle Distanz im Wohnzimmer stirbt...

Es ist Sonntagabend, die Wohnung ist endlich ruhig und ich starre gerade einfach nur an die Wand. Ich hab den ganzen Tag versucht, die Dinge zu ordnen, aber irgendwie klappt das heute nciht. Mein Mann und ich hatten vorhin wieder diesen einen Streit, den wir gefühlt schon tausendmal hatten. Es geht immer darum, ob wir ihm noch einmal aushelfen oder ob wir jetzt wirklich die Reißleine ziehen müssen. Das ist das Problem, wenn man Sozialarbeiterin ist. Im Job in Mainz weiß ich ganz genau, wie man Grenzen setzt und wie Co-Abhängigkeit funktioniert. Ich erkläre Klienten jeden Tag, dass man den anderen nicht retten kann, wenn er nicht selbst will. Aber sobald ich die Haustür aufmache und mein Bruder wieder mit diesen hohlwangigen Ausreden anruft, bin ich plötzlich wieder die kleine Schwester, die alles regeln will. Und mein Mann sieht das, er sagt mir dann oft, dass ich mich in meinem eigenen Wissen verstricke, weil ich versuche, die Situation professionell zu analysieren, anstatt einfach zu fühlen, dass wir gerade alle emotional ausbluten. Ich merk einfach, dass diese Distanz, die ich beruflich gelernt habe, zu Hause komplett versagt. Ich versuche, strukturiert zu bleiben, aber am Ende weine ich in der Küche, weil ich mich so hilflos fühle. Und dann fragt mein Mann, warum ich eigentlich nicht einfach mal die Klappe halte mit meinen Theorien und stattdessen mal sage, dass es mir wehtut. Aber wie soll ich das, wenn mein Kopf ständig im Analyse-Modus ist? Ich frage mich echt, ob das irgendwer von euch auch kennt. Dieses Gefühl, dass man eigentlich die Lösung kennen müsste, weil man die Theorie beherrscht, aber im echten Leben trotzdem nur im Kreis läuft. Habt ihr einen Weg gefunden, wie man diesen Schalter zwischen Professionell und Angehörig überhaupt umlegen kann, ohne dass die Beziehung an der Spannung kaputt geht? Ich hab das Gefühl, ich bin für meinen Mann gerade eher eine Beraterin als eine Partnerin. 😔
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