Öffentlich lesbarer Thread
Wie hat sich die Therapie für uns „Alte“ seit den 80ern wirklich verändert?
Also, ich sitz hier am Fenster meiner geförderten Wohnung, die Sonne dringt endlich durch das graue Pflasterhaus und ich denke wieder mal über die langen Jahre nach. Als ich in den späten 70ern das erste Mal mit Opiaten in die Westberliner Szene kam, war die Sucht‑Betreuung kaum mehr als ein „Abhängigkeits‑Büro“ – ein bisschen Aufklärung, ein paar Auflagen und dann zurück auf die Straße. Wenn ich mir das heute anschaue, dann wirkt das Ganze fast schon wie ein anderer Planet.
Seit 26 Tage clean bin ich jetzt in einer Polamidon‑Substitution und bekomme wöchentlich ein Gespräch mit einem Sozialarbeiter, der nicht nur nach dem Drogenkonsum fragt, sondern auch nach meiner Stimmung, meinem Schlaf und ob ich mich in den letzten Wochen nicht zu sehr zurückgezogen habe. Das war früher ein Fremdwort – „Dualdiagnose“ war eher ein Schimpfwort, das man hinter verschlossenen Türen flüsterte. Heute gibt’s sogar Gruppen, in denen wir über Depression, Angst und PTBS reden können, während wir gleichzeitig über den Substitutionsplan sprechen. Ich muss zugeben, das fühlt sich manchmal fast zu modern an, fast wie ein neues Kapitel, das ich nicht ganz lesen kann.
Aber was bleibt gleich? Der Stuhl im Wartezimmer, das leise Summen der Heizung und das Gefühl, dass man immer noch ein bisschen außen vor steht, weil das Alter irgendwie „zu alt“ für neue Programme ist. Wie erlebt ihr das? Fühlt ihr euch von den jüngeren Therapeut*innen wirklich verstanden, oder bleibt da noch die alte Kluft? Ich bin gespannt, ob jemand von euch ähnliche Veränderungen mitbekommen hat oder ob für euch alles eher gleich geblieben ist. 🙏
