Öffentlich lesbarer Thread
Heute hat er nicht auf die Therapie gehen wollen
Ich sitz wieder an meinem Küchentisch, die Sonne scheint durch die blanken Fenster her und plötzlich fällt mir auf, wie leer das Zimmer ist. Vor zwei Tagen hat er angerufen. Sein Stimme war so flach, als hätte er selbst keine Ahnung, wer er ist. Er hat nicht gehen wollen zur Therapie. Sagte, das Medikament sei schon langer nicht mehr nötig. Echte Krass. Ich hab gelacht, weil ich nict wusste, ob ich lachen oder weinen soll.
Ich denk vielleicht zu viel drüber nach. Oder zu wenig. Meine Ohren brauchen irgendwie keine Nachrichten mehr, aber wenn das Handy vibriert, fühle ich mich wieder so verletzlich, als hätten die Lügen nie Bestand. Er hat mir vorgebohrt, dass alles gut ist, seit er auf Methadon ist. Aber jetzt sagt er, es sei “überflüssig”. Was soll das bedeuten? Ist das der Anfang des nächsten Rutsches?
Ich will ihn nicht verlieren, aber ich weiß nicht, ob ich das Richtige tue, wenn ich ihn packe und sag: “Kommst du zur Therapie oder es ist vorbei.” Klingt das oxymoronisch? Vielleicht. Aber ich hab meine... ich krieg den gedanken grad selbst nicht sauber zu ende.
