Öffentlich lesbarer Thread
Wenn das “Durchziehen” im Job plötzlich zur Ausrede wird…
Ich sitz gerade an meinem Laptop, das kleine Café im 2. Stock hat schon wieder seine Summer‑Playlist an, und mein Kopf fängt an zu drehen – nicht vom Koks, aber von diesem Gefühl, dass ich irgendwie immer noch „runterdrehen“ muss, nur eben diesmal ohne das weiße Pulver.
Vor fünf Monaten hab ich endlich den Schritt nach der Therapie gewagt, und seid 150 Tagen bin ich clean. Die ersten Wochen waren ein Riesen‑Adrenalin‑Kick, weil ich plötzlich wieder klar sehen konnte, wie das Ganze eigentlich funktioniert hat: Ich war diejenige, die im Club immer dafür gesorgt hat, dass die Stimmung oben bleibt, die Drinks schnell ran und die „Energie“ nie nachließ. Das war nicht nur ein Hobby, das war meine Funktionsdroge – ich hab mich gebraucht gefühlt, war „on‑fire“ und das hat mir irgendwie Halt gegeben.
Jetzt, wo ich im Service‑Team einer gehobenen Bar arbeite, spüre ich das gleiche Muster: Der Stress von vollen Nächten, die Erwartung, immer freundlich zu lächeln, und das ständige „Durchziehen“ – nur dass ich das jetzt mit zu viel Koffein, zu vielen Energy‑Drinks und endlosen To‑Do‑Listen ersetze. Und das ist irgendwie beängstigend, weil es so leicht wird, die Sucht unsichtbar zu machen.
Habt ihr das Gefühl, dass eure Arbeit euch wieder in einen ähnlichen Trott bringt, nur ohne das eigentliche Pulver? Wie schafft ihr es, den inneren Druck zu erkennen, bevor er wieder in ein „Muss‑ich‑jetzt‑noch‑weiter‑machen“-Gefühl umschlägt? Ich mein, ich will ja nicht wieder in die alte Rolle zurückfallen, aber manchmal fühlt es sich an, als ob ich nur noch meine “Durchzieh‑Maschine” neu kalibrieren muss.
Würde mich freuen, wenn jemand von euch seine Erfahrungen teilt – besonders, wenn ihr ähnliche Jobs habt und Wege gefunden habt, das unsichtbare „Durchziehen“ zu durchbrechen, bevor es wieder zu einem Trigger wird. 🙏
