Öffentlich lesbarer Thread
SSRI und die Angst, die Fassade zu verlieren
Ich bin jetzt seit 21 Tage clean, aber die Tage fühlen sich an wie ein Marathon ohne Ziel. Gestern hat mir meine Ärztin ein kleines Kärtchen mit Escitalopram gegeben – 10 mg, soll ja helfen, das ständige Auf‑ und Ab zu glätten. Ich hab das Medikament noch nie genommen, weil ich immer dachte, ich brauch das nicht, ich schaff das allein, weil ich ja immer „funktioniere“ – auch wenn ich innerlich zerbreche.
Aber jetzt, wo ich wirklich versuche, die Kokain‑Fassade abzubauen, drückt mich das Ganze irgendwie noch mehr nach unten. Ich lieg im Bett, die Decke ist noch warm von der Heizung, und ich hör das leise Rauschen der Straße. Das ist das erste Mal seit Wochen, dass ich nicht das ständige Kribbeln im Hinterkopf spüre, das mich an die nächste Linie denken lässt. Und trotzdem schleicht sich die Angst ein, dass das Medikament mich noch mehr vernebelt…
Ich frage mich, ob das SSRI mich irgendwann zu einer „normalen“ Person macht, die nicht mehr diese Maske tragen muss, oder ob ich nur noch ein bisschen mehr vernebelter Bin. Ich hab ja schon so viel versucht, von Therapie bis hin zu Selbsthilfe‑Gruppen, und jedes Mal war ich immer die, die alles im Griff haben wollte, weil sonst das Jugendamt und die ganze Welt denken würden, ich sei ein Versager. Jetzt, wo ich das Medikament nehme, fühl ich mich fast schon wie ein Kind, das auf die Hände seiner Eltern angewiesen ist.
Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit Antidepressiva gemacht, wenn ihr gleichzeitig aus einer hochfunktionalen Sucht aussteigt? Wie habt ihr das Gleichgewicht zwischen Medikament und dem... vielleicht kennt das jemand hier auch.
