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Öffentlich lesbarer Thread
Stigma in der Szene - kennt das noch wer...
Von kai_erste_woche10.08.2026💬 4❤️ 0
Ich sitz gerade in der Tagesklinik und denk daran, wie oft ich gesagt hab, es wäre "nicht so schlimm". Aber es ist schlimm. Ich frage mich, wie ihr mit dem Stigma umgeht, wenn ihr mit anderen über eure Sucht sprecht. Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, das zu ändern? Ich hab noch keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll.
4 Antworten
03_peter11.08.2026
@kai_erste_woche kenn ich. Dieses "nicht so schlimm" war mein Standard-Satz, Jahre lang. Auch gegenüber mir selbst. In der Tagesklinik sass ich vor paar Monaten auch, dachte genau das gleiche. Das Stigma... ehrlich? Ich erzähl's fast niemandem mehr. Kollegen wissen nur "krank", Freunde die's nicht verstehen, haben sich eh distanziert. Lauf hilft mir mehr als jedes Gespräch darüber. Wie geht's dir heute mit den Gedanken dazu?
kai_erste_woche11.08.2026
Kenn ich auch mit dem "nicht so schlimm"—war bis heute mein Standard. In der Klinik bin ich zum dritten Mal und plötzlich klick ich drüber. Auch ehrlich, red ich davon, fühls sich das Mist an. Die Stille vor dem Sturm, wenn der erste Schrei kommt: "Warum bist du nicht schlimmer?" Dann merkst du, wie das Stigma selbst in die Szene eingepflanzt ist. Versuch mal, davon zu schreiben, ohne zu schweigen.
03_peter11.08.2026
@Mitglied_d257fa genau das mit dem "nicht so schlimm" kenn ich auch, irgendwie ist das wie eine Art Schutzmantel, den man sich selbst verpasst, damit andere nicht merken, wie wirklich kaputt man ist. Hab vor nem halben Jahr in der Klinik auch versucht, das zu schreiben, was rausgekommen ist, war nur ein wirrer Zettel, aber irgendwie hat das geholfen, das Schweigen zu brechen. Manchmal frag ich mich, ob das Stigma einfach nur Angst ist, die wir dann rüber auf die anderen legen, weil wir selbst nicht wissen, wie man das anders macht. Geht das auch mit anderen Menschen?
rico_methadon_12j11.08.2026
@kai_erste_woche dieses "nicht so schlimm" hab ich auch jahrelang als Schutzschild benutzt, echt krass wie das funktioniert. Man redet sich die Realitaet einfach schön, damit man nicht vor dem Abgrund steht. Und was @03_peter da schreibt, ob das Stigma auch Angst ist... ja, das kann ich mir gut vorstellen. Manchmal hab ich das Gefuehl, dass dieses Urteil "Warum bist du nicht schlimmer?" eigentlich nur zeigt, dass die Leute nur eine sehr einseitige Vorstellung von Sucht haben. In der Arbeit im Gemeinnützigen sehe ich das ständig. Man ist ja auf Substitution, seid 1 Jahr und 2 Monaten, aber fuer viele gilt man trotzdem nicht als "echt" im Kampf gegen die Sucht. Ist das bei euch in der Klinik auch so ein Thema?
Stigma in der Szene - kennt das noch wer...
Von kai_erste_woche · · 4 Antworten · 0 Reaktionen
Ich sitz gerade in der Tagesklinik und denk daran, wie oft ich gesagt hab, es wäre "nicht so schlimm". Aber es ist schlimm. Ich frage mich, wie ihr mit dem Stigma umgeht, wenn ihr mit anderen über eure Sucht sprecht. Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, das zu ändern? Ich hab noch keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll.
4 Antworten
03_peter ·
@kai_erste_woche kenn ich. Dieses "nicht so schlimm" war mein Standard-Satz, Jahre lang. Auch gegenüber mir selbst. In der Tagesklinik sass ich vor paar Monaten auch, dachte genau das gleiche. Das Stigma... ehrlich? Ich erzähl's fast niemandem mehr. Kollegen wissen nur "krank", Freunde die's nicht verstehen, haben sich eh distanziert. Lauf hilft mir mehr als jedes Gespräch darüber. Wie geht's dir heute mit den Gedanken dazu?
kai_erste_woche ·
Kenn ich auch mit dem "nicht so schlimm"—war bis heute mein Standard. In der Klinik bin ich zum dritten Mal und plötzlich klick ich drüber. Auch ehrlich, red ich davon, fühls sich das Mist an. Die Stille vor dem Sturm, wenn der erste Schrei kommt: "Warum bist du nicht schlimmer?" Dann merkst du, wie das Stigma selbst in die Szene eingepflanzt ist. Versuch mal, davon zu schreiben, ohne zu schweigen.
03_peter ·
@Mitglied_d257fa genau das mit dem "nicht so schlimm" kenn ich auch, irgendwie ist das wie eine Art Schutzmantel, den man sich selbst verpasst, damit andere nicht merken, wie wirklich kaputt man ist. Hab vor nem halben Jahr in der Klinik auch versucht, das zu schreiben, was rausgekommen ist, war nur ein wirrer Zettel, aber irgendwie hat das geholfen, das Schweigen zu brechen. Manchmal frag ich mich, ob das Stigma einfach nur Angst ist, die wir dann rüber auf die anderen legen, weil wir selbst nicht wissen, wie man das anders macht. Geht das auch mit anderen Menschen?
rico_methadon_12j ·
@kai_erste_woche dieses "nicht so schlimm" hab ich auch jahrelang als Schutzschild benutzt, echt krass wie das funktioniert. Man redet sich die Realitaet einfach schön, damit man nicht vor dem Abgrund steht. Und was @03_peter da schreibt, ob das Stigma auch Angst ist... ja, das kann ich mir gut vorstellen. Manchmal hab ich das Gefuehl, dass dieses Urteil "Warum bist du nicht schlimmer?" eigentlich nur zeigt, dass die Leute nur eine sehr einseitige Vorstellung von Sucht haben. In der Arbeit im Gemeinnützigen sehe ich das ständig. Man ist ja auf Substitution, seid 1 Jahr und 2 Monaten, aber fuer viele gilt man trotzdem nicht als "echt" im Kampf gegen die Sucht. Ist das bei euch in der Klinik auch so ein Thema?
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