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Öffentlich lesbarer Thread

Dieses Gefühl wenn die Decke nicht mehr die Decke ist

Ich sitz hier und denk nach. Hab ja letztens hier geschrieben, dass ich jetzt seid gut einem Monat trocken bin. Und diese Zeit, die war echt verrückt. Nicht nur wegen dem Entzug, sondern auch weil mir so vieles erst jetzt richtig bewusst wird. Ich hab ja früher, als Journalist, immer viel über Berlin geschrieben. Über die Leute, die Ecken, das Leben. Aber ich hab's irgendwie nie wirklich gefühlt. Alles war immer ein bisschen... vernebelt. Der Whisky hat da seinen Teil dazu beigetragen, klar. Der war ja auch irgendwie Teil meines Jobs, nach der Schicht noch ein, zwei Gläser mit den Kollegen. Nur sind aus "ein, zwei" dann halt doch mehr geworden und irgendwann war es einfach immer da. Jetzt, wo das weg ist, ist das manchmal echt seltsam. Ich hab ja letztes mal schon von diesem Geruch erzählt, der mich an früher erinnert hat. Heute Morgen war es anders. Ich hab aus dem Fenster geschaut, die Sonne kam gerade raus, und für einen Moment war alles ganz leicht und unwirklich. Als wäre die ganze Straße, die Häuser, die Bäume... als wären die nur aufgemalt. So ein bisschen wie früher nach einer Runde Lachgas, aber ohne den Rausch. Nur dieses... Abgelöste. Ich frag mich, ob das was mit dem Gehirn macht, wenn man so lange alles gedämpft hat. Oder ob das einfach nur mein altes Ich ist, das sich wieder meldet und mit dem neuen Ich, dem nüchternen, noch nicht ganz klar kommt. War das früher alles nur ein Film, den ich mir angesehen hab? Oder gab es Momente, die echt waren, auch wenn sie durch den Alkohol gefiltert wurden? Echt krass, wenn man sich da so verliert. Hat noch jemand dieses Gefühl von, naja, von Unechtheit, seit er/sie clean ist?

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